Sucht im Alter

Suchtstörungen im Alter

Problematische stoffgebundene Suchtstörungen im Alter beinhalten vor allem den riskanten oder abhängigen Konsum von Alkohol, Tabak oder Medikamenten, aber auch – wenn auch epidemiologisch seltener – den Konsum von illegalen Drogen. 

Alkohol

Das Robert Koch-Institut gibt in seinen Beiträgen zur Gesundheitsberichterstattung des Bundes (2011) für die Jahre 2009/2010 einen riskanten Alkoholkonsum bei 18,5 % der Frauen und bei 27,0 % der Männer im Alter ab 65 Jahren an. Unter anderem durch die steigende Lebenserwartung und die veränderten Umgangsweisen mit Substanzkonsum in nachfolgenden Generationen werden zukünftig Alkoholprobleme unter Älteren eher noch zunehmen.

Da der Körper sich mit dem Alter verändert, hat regelmäßiger Alkoholkonsum gerade bei älteren Menschen besonders negative Auswirkungen: Ihr Körper „verträgt“ mit der Zeit immer weniger Alkohol. Ursachen hierfür sind vor allem eine Verminderung des Körperwasseranteils, die Zunahme des Fett- und Abnahme des Muskelgewebes und eine Verminderung der Geschwindigkeit des Stoffwechsels in der Leber. „Ein älterer Mensch kann so unter Beibehaltung vorangegangener Konsumgewohnheiten bei abnehmender physiologischer Toleranz in Bereiche problematischen Konsumverhaltens ‚hineinrutschen‘ “ (Lieb et al., 2008, S. 77).

Mögliche Folgeprobleme sind bei andauerndem übermäßigen Alkoholkonsum bei älteren Menschen unter anderem Organschädigungen, Verstärkung oder Abschwächung von Medikamenten, erhöhte Gefahr eines Sturzes, Abnahme geistiger und sozialer Fähigkeiten und des Gedächtnisses, aber auch Einschränkungen bei alltäglichen Handlungen. Nicht selten kaschiert ein riskanter oder abhängiger Konsum z. B. von Alkohol oder Medikamenten auch eine weitere, bisweilen nicht erkannte psychische Erkrankung wie z. B. Depressionen oder Angsterkrankungen.

Nikotin

13,7 % aller Männer und 9,0 % aller Frauen im Alter ab 65 Jahren rauchten 2009/2010 täglich oder zumindest gelegentlich (Robert Koch-Institut, 2011). Gerade ältere Raucher leiden häufiger unter chronischen Atemwegserkrankung und allgemeiner Verschlechterung des Gesundheitszustandes, welche auf das Rauchen zurückzuführen sind. 

Medikamente

Ältere Menschen leiden häufiger als Jüngere an mehreren Krankheiten gleichzeitig, und sie leiden auch häufiger an chronischen Erkrankungen. Dies kann dazu führen, dass diesen Patienten mehrere Medikamente zur gleichen Zeit und/oder über längere Zeit hinweg verordnet werden. So ist gerade bei älteren Menschen die Gefahr einer Medikamentenabhängigkeit (v. a. bei Schlaf-, Beruhigungs- und Schmerzmitteln) oder von – z. T. lebensgefährlichen – Wechselwirkungen besonders hoch. Diese Wechselwirkungen können zwischen mehreren Medikamenten wie auch zwischen Medikamenten und Alkohol bestehen.

Illegale Drogen

Im Vergleich zu legalen Substanzen werden sogenannte illegale Drogen (z. B. Cannabis, Heroin, Kokain, Opium, Morphium, LSD, synthetische Drogen) vergleichsweise seltener von Älteren konsumiert. Unter anderem durch die Substitutionsbehandlung werden heute viele chronisch Drogenabhängige deutlich älter, allerdings in einem dennoch deutlich verschlechterten körperlichen Allgemeinzustand. Sie erkranken häufiger z. B. an Leber- oder Lungenerkrankungen sowie an Virusinfektionen, und altern schneller, was wiederum dazu führt, dass bei ihnen „typische“ Alterserkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 2, Altersdemenz oder Osteoporose schon in jüngerem Alter auftreten kann (Reece, 2007). Damit wird auch häufig früher eine Unterstützung durch ambulante oder stationäre Pflege notwendig. 

Die Wirksamkeit von suchtspezifischen und/oder psychotherapeutischen Behandlungen im Alter ist hoch, zum Teil sogar höher als bei jüngeren Patientengruppen, was sich in höheren Abstinenzquoten und in einer höheren Zufriedenheit der älteren Patienten widerspiegelt (Geyer & Penzek, 2007; Missel & Zobel 2007). Wird also eine ältere Person mit einer Suchtstörung durch die Suchthilfe erreicht, so ist die Wahrscheinlichkeit einer wirksamen Behandlung recht hoch. 

Literatur

  • Geyer, D. & Penzek, C. (2007). Wirkfaktoren in der stationären Rehabilitation älterer Alkoholabhängiger. In Fachverband Sucht e.V. (Hrsg.)., Wirksame Therapie. Wissenschaftlich fundierte Suchtbehandlung. Geesthacht, 305-316.
  • Lieb, B., Rosien, M., Bonnet, U. & Scherbaum, N. (2008). Alkoholbezogene Störungen im Alter – Aktueller Stand zu Diagnostik und Therapie. Fortschr Neurol Psychiat, 76, 75-85.
  • Missel, P. & Zobel., M. (2007). Ergebnisqualität der stationären Behandlung Alkohol- und Medikamentenabhängiger. Eine altersspezifische Analyse. Sucht Aktuell, 14/2, 26-30.
  • Reece, A.S. (2007). Evidence of accelerated ageing in clinical drug addiction from immune, hepatic and metabolic biomarkers. Immunity and Aging, 24, 4-6.
  • Robert Koch-Institut (Hrsg.) (2011). Beiträge zur Gesundheitsberichterstattung des Bundes - Daten und Fakten: Ergebnisse der Studie »Gesundheit in Deutschland aktuell 2009«. Online verfügbar unter http://www.gbe-bund.de/gbe10/owards.prc_show_pdf?p_id=13126&p_sprache=D (zuletzt geprüft am 02.09.2013).

© Tanja Hoff & Michael Isfort, KatHO NRW Köln